Wann hast du dich zuletzt wirklich gesehen gefühlt? Nicht nur angeschaut, sondern so wahrgenommen, dass jemand gemerkt hat, wie es dir geht.
Hagar kennt das Gefühl, allein zu sein. Sie ist verletzt und auf der Flucht, als Gott ihr in der Wüste begegnet. Ausgerechnet dort, wo sie sich vielleicht von allen übersehen fühlt, erkennt sie: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“
Dieser Satz beschäftigt mich. Hagar sagt nicht, dass sofort alle ihre Probleme verschwunden sind. Aber sie weiß: Ich bin Gott nicht gleichgültig.
Vielleicht beginnt auch unser Umgang miteinander genau da. Wir können viele Nachrichten schreiben und lange Gespräche führen, ohne einander wirklich zu begegnen. Manchmal braucht ein Mensch keinen Rat. Manchmal braucht er jemanden, der zuhört und wahrnimmt, was gerade los ist.
Der Sabbat erinnert mich daran, aus dem ständigen „Weiter, weiter, weiter“ herauszutreten. Wenn ich langsamer werde, nehme ich wieder mehr wahr: Gott, mich selbst und die Menschen um mich herum.
Diesen Gedanken möchte ich „Taschensabbat“ nennen: eine kleine Pause, die ich in den Alltag mitnehme. Vielleicht ist es eine Minute ohne Handy. Ein kurzes Gebet. Eine ehrliche Frage. Oder der Moment, in dem ich einfach zuhöre.
Gott sieht mich. Und weil er mich sieht, darf ich lernen, andere zu sehen.
